
Eigentlich ist über die Nikon F5 an anderer Stelle schon alles gesagt worden. Als die Kamera im Oktober 1996 herauskam, lautete der Werbespruch “Imported from the Future”. Und eine neue Funktion des Flagschiff-Modells sollte wirklich wegweisend für die kommende Entwicklung sein: die 1005-Pixel Matrixmessung. Sie ermöglichte es, die Kamera in den meisten Fällen auf Programmautomatik zu stellen und dennoch perfekt belichtete Dias zu erhalten. Bei der Belichtung von Diafilm ist das besonders wichtig. Hier ist der Belichtungsspielraum klein. Eine Blende über- oder unterbelichtet und das Dia ist nicht zu gebrauchen. Besonders gefürchtet ist die Überbelichtung, denn überbelichtete Bereiche werden schlicht zu weißen Flächen. (Manche moderne und kontrastarme Diafilme wie der Sensia haben aber mehr Spielraum als man denkt). Die Matrixmessung teilt das gesamte Sucherbild also in kleine Flächen ein und belichtet dann so, daß kein Bereich überbelichtet wird. Im Umkehrschluß kann das allerdings dazu führen, daß andere Bereiche unterbelichtet werden. Im Zweifelsfall muß der geübte Fotograf also doch noch eingreifen und z. B. auf mittenbetonte Messung umstellen oder eine Belichtungskorrektur einstellen. In etwa 95 Prozent der Aufnahmen liegt die Nikon F5 aber goldrichtig. Situation, in denen eine Korrektur erforderlich sind, sind praktisch immer Bilder mit hellem Hintergrund. Nehmen wir z.B. eine Statue im Gegenlicht. Die F5 wird versuchen, Zeichnung im Himmel zu erhalten. Der Fotograf kann sich entscheiden, ja, ich möchte Zeichnung im Himmel (und eine dunklere Statue) oder nein, der Himmel ist mir egal, ich möchte eine helle Statue. Im letzteren Fall würde man dann auf mittenbetonte oder Spot-Messung umstellen.
Bei manchen Diafilmen stelle ich gezielt einen niedrigeren ASA-Wert ein, um mehr Zeichnung in den Schatten zu erhalten, so z. B. bei bewölktem Himmel und Fuji Sensia 200 (RM) oder DM-Paradies 100 (CR100 = Konica Chrome?). Bei anderen Diafilmen, wie z.B. Sensia 100, kann man getrost 100 ASA einstellen und erhält perfekt belichtete Dias.
Die Preise für Nikon F5-Kameras sind mittlerweile ins Bodenlose gefallen, weil viele ihre Film-Kameras abstoßen. So kann man sich heute das ehemalige Spitzenmodell für ein fünftel des Neupreises von ursprünglich etwa 3000 DM zulegen. Man sollte die frühen Modelle (siehe Seriennummer) meiden, da diese u.U. hohe Ansprüche an Batterien stellen und diese schnell entleeren. Spätere Modell haben diese Kindheitsprobleme nicht mehr.
Viele werden sagen, daß die F5 schwer ist. Nun, das stimmt sicher. Man muß aber auch sehen, daß alle professionellen Nikon-Kameras der F-Reihe im Gewicht praktisch gleich sind. Die Nikon F3 mit Motordrive, Nikon F4 mit Hochformatgriff, Nikon F100 mit Hochformatgriff und F5 bringen in etwa das gleiche Gewicht auf die Waage. Aber die F5 hat zusätzlich einen wesentlich schnelleren Autofokus (so schnell, daß Drittanbieter-Objektive u.U. leiden), 1005-CCD-Matrixmessung, 3D-Blitzmessung, 5 Autofokus-Sensoren, 8 Bilder pro Sekunde, Filmrückspulkurbel (spart Batterieenergie und ermöglicht ein langsames Rückspulen bei Minusgraden, um statische Entladungen zu verhindern) und eine super-präzise Filmspulung, d.h. die Abstände zwischen den Bildern bleiben gleich. Das wird erreicht, weil ein Rädchen den Film über die Perforierung am Filmrand transportiert. Wenn man Dias rahmt oder mit einem Filmscanner Streifen eingescannt, ist diese genaue Filmpositionierung Gold wert.
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